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Das deutsche Selbstverständnis der Nachkriegszeit war wesentlich durch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und den damit zusammenhängenden Wohlstand geprägt. Entscheidend war in diesem Zusammenhang da Deutsche Wirtschaftswunder, welches aus einem im Zweiten Weltkrieg zerstörten Land eine der führenden Industrienationen machte.

 

Videodokumentation

 

 

Überblick

  • Datum: 21. Juni 1948 – Okt. 1973
  • Ort: Deutschland
  • Beginn: Währungsreform / Einführung der Deutschen Mark
  • Ende: 1. Ölkrise

 

Wesentlich Beteiligte

  • Bundesrepublik Deutschland
  • Ludwig Erhard (04. Feb. 1897 – 05. Mai 1977), Wirtschaftsminister / „Vater des Wirtschaftswunders“
  • Alfred Müller-Armack (28. Juni 1901 – 16. März 1978), Wirtschaftswissenschaftler / Entwickler der Sozialen Marktwirtschaft

 

Hintergrund

  • Nach verlorenem Zweiten Weltkrieg katastrophale Lage Deutschlands in politischer, moralischer & (oberflächlich) wirtschaftlicher Hinsicht
  • Entscheidung der Westmächte zur Gründung eines (west-) deutschen Staates
  • (anfangs zögerliche) Akzeptanz der Westmächte des wirtschaftlichen Wiederaufbaus (West-) Deutschlands
  • Wirtschaftliche Situation in West-Deutschland:
    • Wohnraum (in den Großstädten) ist in weiten Teilen zerstört
    • 80 – 85 % der Produktionskapazitäten sind erhalten geblieben
    • Physische Infrastruktur ist lediglich punktuell zerstört

 

Verlauf

Entwicklungen bis 1949

  • 08. Mai 1945: Bedingungslose Kapitulation
  • 1945 – 1947: Beschlagnahme von deutschen Patenten, Betriebsgeheimnissen & Humankapital durch Alliierte
  • 1947: Müller-Armack veröffentlicht das Buch „Wirtschaftslenkung und Marktwirtschaft“ & entwirft das Konzept der „Sozialen Marktwirtschaft“
  • 21. Juni 1948: Währungsreform in den Westzonen mit Einführung der D-Mark
  • 23. Mai / 20. Sep. 1949: Gründung der Bundesrepublik Deutschland
  • Bis 1949: weitestgehende Wiederherstellung der Infrastruktur & geringe Demontagen durch Westalliierte

 

Entwicklungen bis 1955

  • 1948 – 1952: Darlehen in Höhe von 1.4 Mrd. DM im Rahmen des Marschallplans unterstützen Investitionen
  • 1950 – 1952: Korea-Boom unterstützt den Export
  • 27. Feb. 1953: Dt. Auslandsschulden werden im Londoner Schulden-abkommen von ca. 30 auf ca. 14 Mrd. DM reduziert
  • 05. Mai 1955: Weitgehende Wiederherstellung der (west-) deutschen Souveränität in den Pariser Verträgen
  • Ab 1955: Gestiegener & steigender Wohlstand wird sichtbar, z.B. durch die ersten Urlaubsstaus auf Autobahnen
  • 1955: „Wirtschaftswunder“ wird zum geflügelten Wort
  • Bis ca. 1955: Aufholen des Technologie-Rückstands & Wandel von der Deckung der Grundbedürfnisse zu „Genuss-Konsum“ („Fresswelle“ - „Edelfresswelle“ - „Bekleidungswelle“)

Entwicklungen bis 1973

  • 1945 – 1961: Umfangreicher Zuzug von qualifizierten Arbeitskräften & Unternehmen aus den deutschen Gebieten im Ostblock, z.B. Auto Union AG (Audi) von Chemnitz nach Ingolstadt
  • Entwicklungen ab 1955 (teilweise eher):
    • Erhaltung des Kostenvorteils gegenüber internationaler Konkurrenz & Exportanstieg
    • Investitionswachstum zur Kapazitätserweiterung
    • Wachstum wird zunehmend von der Binnennachfrage getragen
    • Schuldenabbau & Aufbau von Devisenreserven & Goldbestand
  • Entwicklungen ab Mitte / Ende 1960er:
    • Wandlung von Verkäufer- zu Käufermärkten
    • Ausufernde Staatseingriffe, mit hohen Lohn- & Sozialleistungen
  • Okt. 1973: Ende des Wirtschafts-wunders durch die 1. Ölkrise

 

Mögliche Erklärungsfaktoren für das Deutsche Wirtschaftswunder

  • Aufbauhilfe für Europa mit dem Marshallplan
  • Wiederaufbau von (oberflächlich) beschädigter Wirtschaft mit (weitestgehend) vorhandenem Real- & Humankapital
  • Aufholprozess zu den USA als führender Wirtschaftsmacht
  • „Globales Wirtschaftswunder“
  • Währungsreform & System der Sozialen Marktwirtschaft
  • Frage der Mentalität
  • Fokussierung des deutschen Engagements auf Produktivitätssteigerung & Wohlstand

 

Folgen

  • Hohes Wohlstandsniveau in der Bundesrepublik Deutschland
  • Soziale / materielle Voraussetzung für die Stabilität der deutschen Demokratie
  • Grundlage für die Handlungsfähigkeit des deutschen Staates
  • Voraussetzung für die Wiedervereinigung (1990)